Und nun zu Dir selbst

Überprüfe (immer wieder) deine Motive, andere bzw. einen bestimmten Adressatenkreis aktivieren / unterstützen / irritieren etc. zu wollen. Einerseits für dich selbst, darüber hinaus auch deshalb, um dich und dein Vorhaben in den entscheidenden Situationen erklären zu können: Ist dir im Zweifelsfall die Reputation im Kunstbetrieb [Forschungsbetrieb] oder der Output für deine Adressaten wichtiger? Was sagt dir der Begriff „Helfersyndrom“? Wie ist deine Arbeit im Projekt finanziert? Wenn der Eindruck entsteht, dass du deine Beweggründe verbirgst und noch eine „heimliche Agenda“ dahinter steht (auch wenn du das überhaupt nicht so siehst), ist Misstrauen schwer abzubauen. Deklariere dich also bei Bedarf mitsamt deinen Zielen, anstatt (d)eine Position zu verbergen, von der du vermutest, dass deine Adressaten sie nicht schätzen!

Abgesehen von Fachkenntnissen und Kontaktfreudigkeit solltest du für Empowerment-Projekte viel Wissen über „fremde“ soziale Milieus mitbringen, in denen deine Meinungen nicht unbedingt geteilt werden. Das schützt dich davor, dich als Nabel der Welt zu sehen. Wenn du in deinem eigenen Umfeld (sowohl beruflich als auch privat) nicht ein Mindestmaß an regelmäßigen Kontakten zu Personen aus anderen Milieus pflegst, d.h. wenn deine Bekannten weit überwiegend in einem bestimmten [künstlerischen, wissenschaftlichen, weltanschaulichen etc.] Biotop leben, dann tust du gut daran, in deinem angestammten Feld als KünstlerIn [ForscherIn] zu bleiben. Denn dann ist die Wahrscheinlichkeit besonders hoch, dass sich deine Theorien über die Zielgruppe grundlegend von deren Selbstwahrnehmung unterscheiden. Die Hauptverantwortung für die ohnehin aufwändige Aktivierungs-Arbeit sollten dann KollegInnen mit mehr Erfahrung übernehmen. Du kannst diese ja dennoch unterstützen und auf diesem Weg Erfahrungen sammeln.

Ganz allgemein ist Austausch mit KollegInnen wichtig, die Ähnliches oder auch ganz Anderes machen. Auch und gerade dann, wenn es nicht ideal läuft: oft hilft es, zu erfahren, dass es anderen nicht anders geht! Und dass fast alle nur „mit Wasser kochen“, die echten Genies also sehr selten sind. Und du bekommst Anregungen für Alternativen, Umwege oder Lösungen.

Abschließend: Achte auf ein breiteres Portfolio an Aktivitäten, d.h. mach auch anderes als „engagierte“ Projekte. Mach dich nicht davon abhängig, andere im Rahmen von engagierter Kunst [Forschung] zu „bemuttern“. Agiere dagegen so, dass du in unterschiedlichen (beruflichen) Rollen auftreten kannst und betrachte Projekte mit Aktivierungs-Anspruch als temporäre oder Teilzeit-Aufgaben. Das schützt dich einerseits vor dem Burnout und andererseits davor, finanziell auszubluten. Außerdem werden es dir die Adressaten deiner Arbeit danken, denn deine Projekte werden besser, wenn du dich NICHT obsessiv und rund um die Uhr damit beschäftigst.

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