Arbeiten mit beteiligten Zielgruppen / Adressaten

Baue ein Vertrauensverhältnis zu Akteuren deiner Zielgruppe auf. Bedenke, dass das viel Zeit in Anspruch nimmt. Beginne deswegen frühzeitig damit, Kontakte zu knüpfen und dich im Feld umzuschauen – auch dann, wenn die Konturen deines Vorhabens noch gar nicht genau feststehen. Und ziehe in Betracht, dass sich die von dir anvisierten „Beteiligten“ zumindest in der Anfangsphase nicht für deine Arbeit interessieren werden. Besonders im Fall einer „Selbstbeauftragung“ gilt: Niemand hat darauf gewartet, dass du – als KünstlerIn [ForscherIn] – endlich kommst und ihn/sie mit deiner Arbeit aktivierst!

Arbeite soweit möglich mit den Akteuren deiner Zielgruppe, nicht nur für oder über sie. Motiviere die Personen deines Adressatenkreises beispielsweise im Rahmen konkreter Anlässe / Settings, ihr „Eigenes“ einzubringen, wenn du sie für dein Projekt interessieren willst. Die ehrliche Neugier, die dich hoffentlich in dein Feld geführt hat, funktioniert zumeist recht gut.

Achte darauf, dass sich jene Menschen, die du zuvor motiviert hast, an deinem Projekt teilzunehmen, das auch tatsächlich tun können, dass es also eine Art „Verhandlungsraum“ gibt. Schaffe dafür Gelegenheiten und einen Rahmen mit wiederkehrenden Ritualen, z.B. regelmäßige Treffen an einem ausgewählten Ort. Denn wer sich „im Rahmen“ deines Projektes zu einem bestimmten Thema einbringen oder ausprobieren möchte, handelt in der Regel außerhalb des alltäglichen Aktionsradius. Das verlangt von vielen mehr Mut, als du vielleicht glaubst. Niederschwellig eingerichtete Strukturen können hier ungemein hilfreich sein.

Bevormunde beteiligte Akteure nicht, vermeide paternalistische Haltungen – auch wenn der Anspruch, mit Beteiligten auf „gleicher Augenhöhe“ zu agieren, eigentlich paradox ist. Denn du hast das Projekt ja entwickelt und du führst es durch. (Beim Verfassen dieses Textes ist es nicht anders: einerseits Rat-Schläge, andererseits auf gleicher Augenhöhe … da muss man/frau einfach durch.)

Biete deiner Zielgruppe nicht mehr Unterstützung an als notwendig, denn andernfalls affirmierst du deren Status als „Hilfsbedürftige“ oder gar als „Opfer“, z.B. im Fall von sozialen Randgruppen. Auch deshalb solltest du im Vorhinein genau wissen, mit wem du es zu tun hast, über welche und wie viele Ressourcen / Kompetenzen Akteure der Zielgruppe ohnehin verfügen; und was deren Bedürfnisse sind. In diesem Zusammenhang gilt auch: Mache den Beteiligten deines Projektes keine unrealistischen Hoffnungen, z.B. infolge der Mitwirkung an einem Kunstprojekt selbst KünstlerIn zu werden. Solche Beispiele gibt es wohl, sie sind aber die große Ausnahme.

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