Soziolekt — Johanna Schwediauer

SOZIOLEKT

Video 15´20

Der Soziolekt könnte als die Gesamtheit der wirklichen und potenziellen Diskurse einer gesellschaftlichen Gruppe definiert werden.   Peter V. Zima

Am Beginn der Arbeit „Soziolekt“ steht die E-Mail Kommunikation zwischen Ursula Holtgrewe (Sozialwissenschaftlerin im FORBA Institut und Leiterin des EU-Forschungsprojektes Walquing) und Johanna Schwediauer (Studentin der Kunstpädagogik an der Universität für angewandte Kunst).

Ausgehend von Inputs aus Ursula Holtgrewes wissenschaftlicher Arbeit, entwickelte Johanna Schwediauer künstlerische Statements. Es entstand ein Mailaustausch in dem sozialwissenschaftliche und künstlerische Arbeitsmethoden aufeinander trafen. Unterschiedliche Zugangsweisen der Kommunikation wurden miteinander konfrontiert,stellten einander Fragen und versuchten in Beziehung zu treten.

Im Zuge des E-Mail Verkehrs wurden unterschiedliche Themen, die im sozialwissenschaftlichen Bereich relevant sind diskutiert. Die Fachsprache (Soziolekt) der (Sozial-)Wissenschaft und der Umgang mit Schrift und Text, stand immer wieder im Zentrum des Austausches. Es wurde die Bildsprache, welche in einer Powerpointpräsentation verwendet wird, thematisiert und bearbeitet. Gegen Ende des Mailverkehrs waren die Themen Theorie und Praxis zentral. Fragen nach dem Wesen der Theorie und die Überführung der Theorie in die Praxis standen im Mittelpunkt.

In der Arbeit „Soziolekt“ werden Zitate aus dem Mailverkehr aufgegriffen, welche wichtige Themen, die im Zuge der Kommunikation aufgetaucht sind, aufgreifen. Zu diesen Zitaten sind Animationen entstanden. Zwischen den Zitaten und den Animationen bestehen Bezüge, jedes Medium geht aber inhaltlich über das jeweils andere hinaus. Text und Bild treten in Kommunikation, beziehen sich aufeinander, kommentieren einander, stehen nebeneinander.

Soziolekte die aufeinander treffen. Sich missverstehen. Sich suchen. Sich verstehen. Sich übersetzten. Sich kennen lernen. Sich verfehlen. Sich benennen.

Sich empowern?

Reflexion des Projektes

Reflexion zum Arbeitsprozess

Ich war Teil der Gruppe der Studierenden um Elizabeth McGlynn, welche von außen an das Projekt angedockt war. Wir Studierenden nahmen während der zwei Jahre nicht an den Diskussionen es Kernteams teil, sondern bekamen die Informationen von Elizabeth McGlynn, welche im Rahmen einer Lehrveranstaltung an der Universität für angewandte Kunst, die Möglichkeit anbot am Projekt „Praktiken des Empowerment in Kunst und Sozialwissenschaft“ teil zu nehmen.

Zu Beginn war es für mich nicht einfach einen Überblick über das Projekt zu bekommen und eine Möglichkeit zu finden, wie ich mich daran andocken könnte.

Während eines Treffens mit Ursula Holtgrewe entstand die Idee über persönlichen E- Mail Verkehr mehr über ihre aktuelle Forschungen und ihre Arbeitsweise zu erfahren.

Mein Anliegen war es einen guten Einblick in ihr Arbeitsfeld und ihre Methoden zu bekommen und heraus zu finden, ob und was ich damit anfangen konnte. Ich begann Statements zu den Informationen, welches sie mir schickte, zu entwickeln. Es war auch für mich spannend zu sehen, ob Ursula etwas mit meiner Arbeitsweise anzufangen wusste.

Es entstand ein Austausch der für mich Einblick in ein neues Arbeitsfeld, sowie neue Perspektiven auf meine eigene Arbeit, brachte.

Ich habe meine Arbeit als eher abgekoppelt von den Arbeiten der anderen Studierenden erlebt. Jeder hat an einem individuellen Projekt gearbeitet, wobei es bei einigen schon inhaltliche Überschneidungen gab.

Den Austausch über die einzelnen Arbeiten mit Elizabeth McGlynn und den Teilnehmerinnen des Seminars habe ich als hilfreich und bereichernd empfunden. Im Laufe von zwei Jahren konnten wir in einem geschützten Seminarrahmen unsere Ideen und Konzepte präzise weiter entwickeln.

Reflexion zur Ausstellung

Für mich bestand die Ausstellungen aus vier „Bereichen“:

Die wissenschaftlichen Forschungen vom FORBA Institut zu den künstlerischen Arbeiten von Kurt Neuhold, sowie dem Künstlerduo Beatix Zobl und Wolfgang Schneider; die direkte künstlerische Arbeit im öffentlichen Raum (Neuhold, Zobl/Schneider); die NANK Initiative vertreten durch Thomas Schneider und den künstlerischen Untersuchungen, von sozialwissenschaftlicher Arbeit, von den Studierenden der Angewandten und Elizabeth McGlynn.

Wir Studierenden waren, wie schon erwähnt, durch Elizabeth McGlynn von „außen“ an das Projekt angedockt und kamen erst beim Aufbau in persönlichen Kontakt mit dem Kernteam des WWTF-Projektes.

Dieser späte Kontakt hatte Vor- und Nachteile. Es wurden für mich während der Ausstellung Bezüge zwischen Arbeiten sichtbar, welche spannend gewesen wären bereits im Arbeitsprozess mit ein zu beziehen. Zum anderen hätte aber die Erweiterung des Kernteams weitere Entscheidungsprozesse verzögert und erschwert.

Eine Ausstellung ist ein Ort der Kommunikation und der Bewegung. Ausgehend von den Arbeiten, die gezeigt werden, entstehen Fragen, Anregungen und Bezüge. Ich würde die Ausstellung „deconsturct“ als Teil des Projektprozesses bezeichnen und nicht als die Abschlusspräsentation desselben.

Die Podiumsdiskussionen, zu zentralen Themen des Forschungsprozesses, waren eine wichtige Ergänzung, um das Projekt und auch die Ausstellung BesucherInnen besser zugänglich zu machen. Sogar für mich haben sich während dieser Gespräche Aspekte erschlossen, welche mir zuvor nicht klar waren.

Während der fünf Tage gab es, vor den Podiumsdiskussionen, zwei Führungen der KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen durch die Ausstellung. Diesbezüglich habe ich von den BesucherInnen sehr gutes Feedback erhalten. Es war für sie ein guter Überblick und ermöglichte ihnen den Einstieg in die anschließende Diskussion.

Ich hatte den Eindruck, dass diese Ausstellung, sowie die Diskussionsrunden für das Fachpublikum sehr spannend waren. Für einige BesucherInnen, welche sich mit den Thematiken zuvor nicht beschäftigt hatten, war der Zugang zu den Arbeiten selbst, sowie zu den anschließenden Diskussionen nicht einfach.

Für mich hat sich in der Form der Ausstellung, das Projekt wieder gespiegelt. Sehr komplexe Fragestellungen, wurden miteinander, aus unterschiedlichen Perspektiven, diskutiert.

Was hat mich empowert?

Die Arbeit am Projekt war eine sehr intensive Zeit. Der Mailaustausch mit Ursula war für mich aufregend und eine Herausforderung. Jedes Mal war ich gespannt, als ein Mail von ihr zurückkam. Hatte sie etwas mit meinem Statement anfangen können? Welche neuen Themen würden sich für mich auftun?

Unsere Kommunikation hätte auch scheitern können. Wir hätten uns in Missverständnissen verlieren und nichts mit dem jeweils anderen anfangen können. So waren meine Befürchtungen.

Es kam natürlich auch zu Missverständnissen, aber durch das Aufklären derselben, eröffneten sich neue Perspektiven auf die jeweils eigene Arbeit. Über manche Passagen unseres Austausches hinweg, ist eine Reflexion über künstlerisches bzw. wissenschaftliches Arbeiten entstanden.

Ich habe den Austausch als sehr bereichernd erlebt und kann mir vorstellen, wieder einen Austausch mit jemandem aus einem anderen Fachgebiet zu beginnen.

Ein stetiger Perspektivenwechsel auf die eigene Arbeit und ein Kennenlernen der Arbeitsmethoden anderer ist wichtig, um in meiner eigenen Arbeit voran zu kommen.

Die Ausstellung war für mich als Abschluss des langen Prozess und als Würdigung der Arbeiten, in welche sehr viel Energie und Zeit investiert wurde, wichtig. Außerdem war es, wie bereits oben angesprochen, eine Möglichkeit die Arbeiten miteinander in Beziehung zu setzten und die Inhalte weiter zu entwickeln.

Im Zuge meiner Arbeit legte ich einen Fokus auf Unterschiede und Ähnlichkeiten zwischen den Disziplinen Kunst und Wissenschaft.

Am Ende des Projektes war ich überrascht über die Ähnlichkeiten, welche sich für mich auftaten, zumal ich vor beginn der Arbeit eher die Unterschiede vor Augen hatte.

In beiden Disziplinen werden Fragen gestellt. Eine bestimmte Fragestellung wird anhand eine bestimmten Methode, mit dem Ziel Erkenntnis zu erlangen bzw. zu vertiefen, untersucht. In der Kunst, wie auch in der Wissenschaft geht es darum neue Terrains zu erschließen – in Bewegung in eine unbekannte Richtung zu sein.

Natürlich passiert das mit sehr unterschiedlichen Methoden. In der Wissenschaft gibt es ein relativ enges bereits etabliertes Regelwerk, an welches man sich halten muss, um im wissenschaftlichen Rahmen zu bleiben. In der Kunst können stetig neue „Regelwerke“ entwickelt werden. Oft geht es in der Kunst genau darum etablierte Regeln zu hinterfragen und zu brechen.

Auch hat die Wissenschaft bei der Suche nach Antworten auf die gestellten Fragen den Anspruch auf Objektivität, während KünstlerInnen oft auf sehr subjektive Weise forschend an das gestellte Thema heran gehen.

Ich habe mich im Zuge der Arbeit einigen neuen Herausforderungen stellen müssen und dabei viel gelernt.

Wirkung

Die Frage der Wirkung meiner Arbeit ist schwierig zu beantworten, zumal ich nicht an einem Projekt gearbeitet habe, welches zum Ziel hat mit sozialen Gegebenheiten zu Arbeiten und diese vielleicht auch zu verändern, wie dies z.B. bei der Arbeit von Zobl/Schneider der Fall war.

Bei mir ging es um die Kommunikation zwischen zwei Menschen aus unterschiedlichen Fachbereichen. Was dies bei mir bewirkt hat habe ich versucht oben zu erläutern. Von Ursula Holtgrewe habe ich im letzten Mail die Information bekommen, dass sie die Gelegenheit genutzt hat sich selbst über ihre Arbeit etwas klar zu machen. Aus dieser Rückmeldung lese ich heraus, dass auch sie von dem Austausch profitieren hat können.

Wie sich dieses Projekt auf unsere zukünftige Arbeit auswirken wird, muss sich erst zeigen. Schließlich zeigen sich Auswirkungen oft erst nach längerer Zeit und sind nicht sofort nach Abschluss eines Arbeitsprozesses sichtbar. Sie können sich in ungeahnten Zusammenhängen auftun und als solche vielleicht gar nicht mehr erkennbar sein.

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