Klassenfeind — Kurt Neuhold

Der Klassenfeind (Class Enemy)

Von Nigel Williams

Das Projekt „Der Klassenfeind“

ist eine Produktion des Wiener Vorstadttheaters – integratives theater österreichs mit Patienten der „Grüner Kreis“ Sozialhilfeeinrichtungen „Waldheimat“ und „Marienhof“ im Rahmen der Projektreihe „Kunst im Grünen Kreis“.

Projektzeitraum: Februar bis November 2011

Produktion, Regie: Manfred Michalke – Wiener Vorstadttheater

Koordination Grüner Kreis: Kurt Neuhold – „Kunst im Grünen Kreis“

Die enorme Zeitspanne zwischen der ersten Kontaktprobe bis hin zur Premiere

erfordert auch ein ebensolches Durchhaltevermögen aller Beteiligten. Durch die

Erreichung des Arbeitszieles werden ungeheure Kräfte frei, welche im therapeutischen Bereich wertvoll sind und eine wesentliche Ergänzungshilfe zur Findung des Selbstwertgefühls beitragen.

Das Stück „Der Klassenfeind“ von Nigel Williams handelt von sechs Jungen, die sich für einige Stunden ohne LehrerIn in ihrem Klassenraum beschäftigen müssen, weil sich das Lehrpersonal nicht mehr in ihre Klasse traut. Nach einiger Zeit verbarrikadieren die Schüler die Klassentür und sind, ohne Kreide, ohne Bücher, nur mit den Tischen und Stühlen alleine. Einer ihrer Klassenkameraden kommt erst jetzt aus einer Erziehungsanstalt in die Klasse zurück. Er wird begrüßt, hat jedoch nichts zu erzählen.

Schließlich beginnt die Klasse auf einen Vorschlag aus den eigenen Reihen hin selbst Unterricht zu gestalten. Jeder versucht den anderen sein Wissen bzw. seine Erfahrungen zu vermitteln. Dies führt zwar nicht sofort bei allen zu Begeisterung, trotzdem nehmen alle sechs nach einigem Murren an dem Selbstversuch teil.

Es kommt zum Kampf zwischen Iron, der jeder Sache auf den Grund gehen möchte,

und Skylight, der durchaus Interesse an einem neuen Lehrer zeigt. Iron gewinnt und ist erschrocken darüber wie weit es mit ihnen gekommen ist.

“Wir sind der fleischgewordene Traum für jeden Sozialarbeiter“, verkündet er.

Zuletzt läutet die Schulglocke, alle warten was nun passieren wird…

DER AUTOR

Nigel Williams

(* 20. Januar 1948 in Cheadle (Cheshire), Großbritannien)

ist ein britischer Schriftsteller, der für Hörfunk und Fernsehen arbeitet und Verfasser von mehreren Romanen, Kinderbüchern und Theaterstücken ist.

Er wurde als Sohn eines Schuldirektors geboren. Nach dem Studium an der Highgate School und dem Oriel College der Universität Oxford arbeitete er am Oriel College als Dozent.

Mit seinem Stück Klassen Feind (Class Enemy), das in England zum wichtigsten Stück des Jahres 1978 gewählt wurde, gelang ihm der Durchbruch als Bühnenautor. Die Uraufführung war am 9. März 1978 am Royal Court Theatre, London. Die deutsche Erstaufführung fand am 23. April 1981 an der Schaubühne am Halleschen Ufer in Berlin unter der Regie von Peter Stein statt

 

„KUNST IM GRÜNEN KREIS“ / http://www.gruenerkreis.at

    

Der Verein „Grüner Kreis“ behandelt suchtkranke Menschen ambulant und in stationären Betreuungseinrichtungen. Im ganzheitlichen Behandlungskonzept hat die Förderung einer aktiven Beschäftigung mit Kunst und Kultur einen hohen Stellenwert.

Bei der von Kurt Neuhold konzipierten und geleiteten Projektreihe „Kunst im Grünen Kreis“ werden in allen Betreuungseinrichtungen regelmäßig Kunstworkshops in den unterschiedlichsten künstlerischen Sparten (Theater, Fotografie, Skulptur, Malerei, Literatur, etc.) angeboten, die stets von professionellen KünstlerInnen geleitet werden.

Dabei lernen die PatientInnen die vielfältigen Techniken und Ausdrucksmöglichkeiten der Kunst kennen. Die Workshops zeigen, wie spannend, vielschichtig und lustvoll es sein kann, wenn das Denken und Fühlen künstlerisch, mit ästhetischen Mitteln, zum Ausdruck gebracht werden. Künstlerisch kreatives Arbeiten ermöglicht einen konstruktiven Umgang mit Aggressionen und Ängsten. Dadurch kann die bei Suchtkranken gefährliche Spirale aus Angst, Destruktivität und Drogenkonsum durchbrochen werden.

Darüber hinaus fördert die für die Realisierung komplexer künstlerischer Projekte notwendige Zusammenarbeit den Teamgeist und die Kooperations- und Beziehungsfähigkeit der TeilnehmerInnen. Dies bestätigen Aussagen wie: „gemeinsam schaffen wir es“ oder „wir hatten viel Spaß miteinander“!

Außerdem verhilft die Zusammenarbeit mit KünstlerInnen zu einem Blick auf ungewohnte Denk- und Lebensweisen. Für viele PatientInnen, die überwiegend aus einem kunstfernen Umfeld kommen, sind „Kunst im Grünen Kreis – Projekte“ meist die erste bewusste Begegnung mit der Welt der Kunst. Und auch die KünstlerInnen sammeln wertvolle Erfahrungen beim Umgang und bei der Zusammenarbeit mit Menschen in einer schwierigen Lebenssituation.

Die Produktion des Theaterstücks „Klassenfeind“, die seit Februar 2011 unter der Leitung von Manfred Michalke vom „Wiener Vorstadttheater“ mit den männlichen Jugendlichen in der Betreuungseinrichtung „Waldheimat“ (Mönichkirchen/Bucklige Welt) erarbeitet wird, ist eine  besondere Herausforderung für alle Beteiligten. Die lange Produktionszeit und aufwendigen Probearbeiten in den Therapiealltag und in die Organisation einer stationären Betreuungseinrichtung zu integrieren und in diesem Umfeld eine professionelle Theateraufführung zu erarbeiten, ist nur dank der Unterstützung und des Engagements des Wiener Vorstadttheaters, der Leitung des Grünen Kreises und des Teams der Betreuungseinrichtung möglich. Die Jugendlichen bekommen durch diese Arbeit die einmalige Chance, ihre eigenen Erfahrungen auf einer Bühne darzustellen. Dennoch ist es schwierig, sie über einen so langen Zeitraum zu motivieren, konzentriert, verlässlich und professionell an ihren Rollen zu arbeiten.

 

RANDGRUPPENTHEATER IST EIN ANERKANNTER BESTANDTEIL DER DARSTELLENDEN KUNST

 

Die Produktionen des „Wiener Vorstadttheater – integratives theater österreichs“

werden und  wurden auch schon wissenschaftlich  dokumentiert: 

Die Flüchtlingstrilogie: „Warten auf Godot“, „Nachtasyl“ und „Endspiel“ (2002 bis

2005)dienen  als Grundlage einer weiteren Diplomarbeit (Theaterwissenschaft)

und werden von Frau Amrei Ortner wissenschaftlich aufgearbeitet.

So ist auch das  Kindermusical-Projekt „Don Quijote – ein Vorspiel“ (2008 / Dschungel Wien) auch Inhalt einer Dissertation von Kevin Leppek „Theater als interkultureller Dialog“ (erschienen im Tectum-Verlag).

Weiters ist eine Untersuchung des Stellenwertes postmoderner, ästhetischer Theaterpraxis mit Inhaftierten für die Sozialpädagogik anhand des ausgewählten Theaterprojektes „Gerettet“ von Edward Bond Inhalt der Diplomarbeit von Christina Glinz:„Annäherung an die Wirkungsweisen theatraler Rollenarbeit bei jungen Erwachsenen in Haft“.

Diese Produktion wurde 2009 in der Justizanstalt Gerasdorf in Zusammenarbeit mit der Justizanstalt Schwarzau realisiert.

„Leonce und Lena“ von Georg Büchner war die zweite, in den Medien viel gelobte,

Aufführung im Rahmen von „Gefängnistheater – gegen Gewalt“.  Diese Produktion wurde 2010 in der Justizanstalt Wiener Neustadt erarbeitet und im Stadtpalais Kabelwerk / Wien aufgeführt. Aufgrund dieser höchst erfolgreichen Arbeit wurde das Wiener Vorstadttheater im Juli 2011 zum internationalen Gefängnistheatersymposium „Knast und Theater“  nach Berlin eingeladen. Veranstaltet wurde dieses Symposium von: aufBruch – Kunst Gefängnis Stadt  (http://www.gefaengnistheater.de ).

Die Produktion: „Klassenfeind“ von Nigel Williams wird ebenfalls im Rahmen des vom Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF) geförderten Projekts: „Praktiken des Empowerment in Kunst und Sozialwissenschaft“ wissenschaftlich begleitet. Für die Wissenschafter dabei besonders reizvoll ist die Möglichkeit, „Empowermentpraktiken“ während einer laufenden Produktion zu beobachten und zu untersuchen. „Praktiken des Empowerment in Kunst und Sozialwissenschaft“ ist eines der sechs Siegerprojekte, die für den Art(s)&Sciences Call 2009 des WWTF eingereicht wurden und die am 15. Juni 2010 bei einem Fest mit Kulturstadtrat Mailath-Pokorny, VertreterInnen der Stadt und der Forschungs- und Wissenschaftsszene im Schauspielhaus Wien vorgestellt wurden.

Die nächste, bereits in Planung befindliche Produktion: „Ein Sommernachtstraum“ wird bereits von der EU-Förderung, Leonardo da Vinci Projekt PEETA – Personal Effectiveness and Employability through the Arts aufgenommen, wobei das Wiener Vorstadttheater für die exemplarische Aufbereitung der Gefangenentheaterarbeit der einzige Vertreter aus Österreich innerhalb dieses Arbeitskreises ist. Diese Theaterarbeit wird von 2011 bis Juni 2012 ebenfalls in Zusammenarbeit mit den Justizanstalten produziert.

MANFRED MICHALKE

freischaffender Regisseur

und Gründer des Wiener Vorstadttheater – integratives theater österreichs.

Bereits 1994 wurde nach den eindrucksvollen Aufführungen der „Ersten österreichischen Behindertenpassion“ zur Musik v. W. A. Mozart – Requiem in Retz, das Wiener Vorstadttheater gegründet.

Darauf folgte die Produktion: Entsolidarisierung mit Erika Pluhar, aufgeführt in der Sargfabrik und ein Theatertrailer mit Musik von Arnold Schoenberg zum Thema Warten auf Godot, ebenfalls dargestellt von mehrfach behinderten Menschen.

Das Wiener Vorstadttheater hat sich zum Ziel gesetzt eine Plattform für jene Menschen zu sein, die vom professionellen Kulturbetrieb ausgeschlossen sind.

Die künstlerische Erarbeitung geschieht unter größtem Schutz der Intimsphäre und ohne kalkuliertem Mitleidseffekt. Dieser Aufführungsstil wurde bei Publikum und Presse stets positiv aufgenommen und erreichte mit den Aufführungen der Flüchtlingstrilogie:

„Warten auf Godot“ – „Nachtasyl“ – „Endspiel“ im Kabelwerk/ Wien bereits internationale Anerkennung.

Neben den Arbeiten mit Asylwerbern und Flüchtlingen wurden auch stets „Randgruppenthemen“ aufgegriffen, wie die Produktionen „Die Liebesgeschichte des Jahrhunderts“  von Märta Tikkanen (gespielt von Gabriele Gold, Regie: Margaretha Neufeld) und „Dialoge“ Briefwechsel zwischen Bachmann und Henze (dargestellt von Andrea Eckert und Miguel Herz Kestranek im Jahr 2007 / Sargfabrik).

„Don Quijote – ein Vorspiel“ (2008/Dschungel Wien) entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Komponisten Christoph Cech und war dem Thema Gewalt an Kindern gewidmet.

„Gerettet“ von Edward Bond (2009 / Justizanstalt Gerasdorf) wurde mit jugendlichen Straftätern erarbeitet.

„Leonce und Lena“ von Georg Büchner (2010 / Kabelwerk Wien) wurde in Zusammenarbeit mit der Justizanstalt Wr. Neustadt erarbeitet.

„Der Klassenfeind“ von Nigel Williams (2011 / Kabelwerk Wien) mit Jugendlichen im Rahmen von „Kunst im Grünen Kreis“.

Interviews mit den Darstellern von „Klassen Feind“

 

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